Wissenschaftstheorie

Biografische Route / Modernität

Institutionalisierung des Lebenslaufes (Martin Kohli 1985)

Martin Kohli postuliert in den 1980ern, dass in Wohstandsgesellschaften (staatlich gesteuerte Mechanismen wie: Schulpflicht, Versicherungspflicht usw).  eine Dreiteilung des Lebenslaufes erkennbar ist. Diese Dreiteiliung ist geprägt durch den Eintritt in die Erwerbsphase und den Eintritt in die Ruhestandsphase. Man kann sagen: innerhalb der drei Etappen Jugend/Junge Erwachsene, Erwerbsphase, Nacherwerbsphase/Ruhestand gibt es unterschiedliche Lebensaufgaben und unterschiedliche Strategien der Lebensführung:

Jugend: Biografische Offenheit: Exploration, Ausprobieren, Schulische Ausbiludng, Berufswahl, Ausbildung/Studium, Entwicklung von Freizeitinteressen, Freundschaften und Beziehungen, Entwicklung einer eigenen Identität bzw. eines eigenen Ichs. Das hießt: Vielfältige Invesitionen in Neues.

Erwerbsphase: Biografische Konsolidierung: Festigung der Lebensführugnsstrategie durch Weiterbildung, Setzungsprozesse (verbindliche Lebensform: familiale Strukturen und Wohnformen) usw. Das heißt: ausgewählte Investitionen in Konsolidierungsmaßnahmen.

Nacherwerbsphase: Biografische Konservierung: Erhalt der Investitionen, wenig neue Investitionen, da jede Neuinvestition auch bisherige in Frage stellt.

Aufweichen der Grenzen bei Beibehalten der Grunddynamik (Kohli 2004)

Die Theorie Kohlis ist nicht unumstritten. Es zeichnete sich ab, dass in der modernen Gesellschaft die Übergänge fließender geworden sind. Auch wenn die Unschärfe hier zugenommen hat, plädiert Kohli für diese Grundstruktur, die nach wie vor die individuelle Biografie allgemein gesehen prägt – bei allen indidviduell fragementarischen und unüblichen Lebensverläufen.

Herausbildung einer neuen Schwelle in der Lebensmitte

Eine wichtige Neujustierung im 2015er Modell der Lebensführungstypologie ist, dass wir eine neu sich abzeichnende Schwelle als solche im Modell berücksichtigt haben. Es gibt gute Gründe, dass sich um das Lebensalter von 50 Jahren diese neue Schwelle zeigt (mit einer großen Varianz des Lebensalters von Anfang 40 bis Ende 50): Die „Midlife-Crisis“: Empty Nester (Kinder verlassen den Haushalt), Wiedereingliederungs- bzw. einstiegsmaßnahmen in den Beruf, Scheitern von Beziehungen, Eingehen neuer Partnerschaften, Justierung der zweiten Hälfte der Erwerbsphase u.v.m. Die Erwerbsphase lässt sich demnach kennzeichnen durch eine Teilphase der Konsolidierung und einer Teilphase der Etablierung.

Ausstattungsniveau

Kapitalbegriffe Pierre Bourdieus

Das Ausstattungsniveau spiegelt die subjektive Verarbeitung der sozialen Lage wieder. Zentrale Begriffe sind hier Distinktion und Assimilation: Man grenzt sich ab oder möchte aufsteigen und mithalten können mit den oberen Schichten. Bourdieu hat hier den Begriff „Kapital“ aus sozialwissenschaftlicher Sicht  belebt: es geht nicht um Kaptial im wirtschaftliichen Kreislauf, sondern um individuelle Ausstattung. Man spricht eher von Kapitalsorten.

Diese sind: a) Ökonomisches Kapital (das eigene monetäre Einkommen und Vermögen, materielle Dinge, die in Geld überführt werden können), b) das kulturelle Kapital (der Bildungsabschluss, kulturelle Rezeptionsfähigkeit) und c) das soziale Kapital (Eingebunden sein in Beziehungsnetzwerke, Ausdehnung dieses Netzwerkes).

Die drei Kapitalsorten sind Grundlagen für den von Bourdieu erstmals konzipierten „sozialen Raum“, der von der Grundstruktur her Vorbild für alle gegenwärtigen Milieumodelle ist.

Die Kapitalbegriffe und der Soziale Raum werden in einem Online-Video kompakt veranschaulicht:

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